Lesen macht stark!
Lesen fördern im Elternhaus
- "Was können wir als Eltern tun, damit unsere Kinder lesen?"
- "Welche Bücher können Sie empfehlen?"
Diese beiden Fragen werden häufig an uns gerichtet... Es gibt kein sicheres Rezept, aber einige gesicherte Erfahrungen, was Eltern tun können, um die Entwicklung ihres Kindes zum lesenden Kind zu unterstützen.
"Zum Leser wird man am sichersten in einer anregungsreichen Leseumgebung und durch eigene Leseerfahrung!"
Geben Sie Ihrem Kind ein Beispiel, denn Kinder orientieren sich an Vorbildern und Erfahrungen.
Interesse und Freude am Lesen entwickeln Kinder in der Regel umso besser, je mehr sie erleben, dass Eltern und die Menschen, mit denen sie es zu tun haben, auch Leser sind, sich in Bücher vertiefen, sich dort Informationen holen und über Gelesenes sprechen. Je deutlicher Bücher, Zeitschriften und Schriftsprache überhaupt zu Ihrem Leben gehören, umso größer ist die Chance, dass auch Ihr Kind zum Leser wird.
Nicht nur die Kinder sollten Bücher als Geschenk bekommen und sich darüber freuen!
Sprechen Sie viel mit ihrem Kind
Einen wichtigen Beitrag zur Leseentwicklung leistet auch das Miteinandersprechen in seinen vielen Formen. Je mehr ein Kind mündlich mit Sprache umgehen kann, umso leichter fällt ihm auch der Zugang zur Schriftsprache und zum Textverständnis. Beziehen sie Ihr Kind möglichst früh in Gespräche ein. Erzählen, Fragen stellen, Erklären, Begründen, Überzeugen - geben Sie Ihrem Kind möglichst viele Gelegenheiten Ihnen dabei zuzuhören, miteinander zu sprechen und sich selber darin zu üben.
Machen Sie es ihm dabei nicht zu leicht. Wenn es merkt, dass es nicht verstanden wurde, muss es seine Wortwahl ändern, abschwächen oder verstärken oder eine zusätzlich Erklärung einschieben. So kann es seine Sprache entwickeln, gleichzeitig aber auch seine Neugier, Vorstellungskraft und Kommunikationsfähigkeit.
Nutzen Sie Gelegenheiten hierfür, so oft es geht.
Nehmen Sie sich Zeit, vorzulesen und gemeinsam Bücher zu entdecken
Beginnen Sie damit so früh wie möglich. Auch wenn Ihr Kind schon selber liest, sollten Sie ihm immer noch vorlesen. Gestalten Sie dieses gemeinsame Lesen auf jeden Fall so, dass es Ihnen und Ihrem Kind Freude macht.
Ein paar Tipps dazu:
- Lassen Sie Ihr Kind den Lesestoff möglichst mit auswählen.
- Nutzen Sie die starke Wirkung von Bilderbüchern. Bilder sprechen unmittelbar an und unterstützen auch die eigene Vorstellungskraft. Je deutlicher Kinder das Gehörte oder Gelesene mit Bildern verbinden, umso eindringlicher wird es.
- Bilderbücher bieten auch jede Menge Gesprächsstoff und Anregung, selbst kreativ zu werden.
- Beziehen Sie ihr Kind ein: Machen Sie Haltepausen beim Lesen, überlegen Sie gemeinsam, wie es wohl weitergeht. Lassen Sie auch Wörter oder Sätze ergänzen. So wird Ihr Kind allmählich zum Mitleser.
- Je weiter es seine eigene Lesefähigkeit entwickelt, umso mehr sollte es auch selber Vorleser sein dürfen.
- Unterstützen Sie den Text mit Stimme, Gestik und Mimik. Das macht das Lesen zum Erlebnis und kann Ihrem Kind als Vorbild für das eigene Vorlesen dienen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Personen des Buches und über das, was im Buch geschieht, über die Bilder und über alles, was Ihnen gemeinsam sonst noch dazu einfällt. Aber nur, wenn es sich in der Situation ergibt, Zwangsgespräche sind eher schädlich.
Geben Sie dem gemeinsamen Lesen einen festen Zeitraum im Tagesablauf
Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie sich auf diese Lesezeiten freuen und sie genießen. Das kann zum Beispiel die Zeit für eine Gute-Nacht-Geschichte sein oder eine Lesezeit am Wochenende.
Eine feste Zeit einzurichten hat den Vorteil, dass man sich schon Lesestoff dafür wählen kann und alle Beteiligten dann auch darauf eingestellt sind und eher Zeit und Ruhe dafür haben. Machen Sie es sich dabei gemeinsam gemütlich.
Lassen Sie Ihrem Kind Zeit für seine Leseentwicklung
Wenn Ihr Kind die Lesetechnik verstanden hat, kann es noch nicht fließend lesen. Jetzt braucht es einfühlsame Förderung, damit es sich nicht enttäuscht abwendet, weil Lesen Mühe macht oder weil wir ungeduldig werden und es mit anderen Lesern vergleichen.
- Nutzen Sie Lese-Gelegenheiten aller Art. Wichtig ist hier auch das Alltagslesen: Speisekarten, Fernsehprogramm, Kochrezepte, Fahrpläne, Einkaufsnotizen...
- Wählen sie Texte, die das Kind interessieren und die es bewältigen kann, lieber ein bisschen zu einfach als zu umfangreich und anspruchsvoll. Das Kind soll beim Lesen nicht scheitern, sondern erfahren, dass es das schaffen kann, auch wenn es ein ganzes Buch ist. Viele Kinderbuchverlage bieten ein Programm für Leseeinsteiger mit wenig Text, großer Schrift und übersichtlicher Texteinteilung in Sinnschritte. Häufig wird das Verstehen auch noch durch Bilder unterstützt.
- Wechseln Sie mit dem Kind die Vorleserrolle. Damit zeigen Sie, dass auch Ihnen das Vorlesen Freude macht und Sie vermeiden gleichzeitig, dass Ihr Kind das Lesen durch die klare Rollenverteilung als Übungssituation erlebt.
- Halten Sie tägliche Lesezeiten ein. Haben Sie Geduld, wenn Ihr Kind noch nicht flüssig lesen kann.
- Loben Sie Ihr Kind für Fortschritte und Anstrengungen.
Beziehen Sie auch Sachbücher ein
Sachbücher bieten in besonderer Weise Anknüpfungspunkte zu Interessen und Fragen Ihrer Kinder. Nutzen Sie die Chance, einer Sachfrage gemeinsam nachzugehen, Informationen einzuholen und das Gelesene an der Wirklichkeit zu prüfen.
Gleichzeitig bedeutet das Sachbuchlesen eine Schulung in genauem Lesen und Mitdenken und erweitert den Wortschatz und die Ausdrucksfähigkeit. Außerdem fördert es, dass Kinder sich anregen lassen, dem Thema weiter nachzugehen und dass sie mehr beobachten, erkunden und erfahren wollen. Ihr Kind kann hier sehr deutlich erleben, wie es sich durch Lesen sein Umfeld erschließen kann und Anregungen zu neuen Sichtweisen und Unternehmungen erhält.
Für Sachbücher gilt in besonderem Maße, dass sie nicht zu schwierig sein dürfen. Sie stellen ohnehin eine hohe Anforderung an den Leser, weil sie Fachwörter aufweisen und dicht mit Informationen gefüllt sind. Auch deshalb empfiehlt sich gerade beim Einstieg das gemeinsame Sachbuchlesen mit Tipps zur Informationsentnahme.
Nutzen Sie bei der Auswahl von Leseangeboten die Interessen Ihres Kindes
Sie kennen Ihr Kind am besten. Knüpfen Sie an seine Interessen und Vorlieben an und machen Sie auch Angebote, die diese Interessen erweitern. Finden Sie heraus, welche Leser - Typ Ihr Kind ist:
- Will es praktischen Nutzen aus dem Gelesenen ziehen?
- Interessiert es sich für bestimmte Wissensgebiete?
- Hört es gern Geschichten und nimmt Anteil an den handelnden Personen?
- Mag es unrealistische, phantastische Geschichten?
- Hat es Spaß an Reimen, Unsinnversen, Übertreibungen?
Beteiligen Sie Ihr Kind bei der Auswahl, denn wenn ein Buch zu anspruchsvoll ist oder Ihr Kind nicht interessiert, wird es auch keine gute Leseerfahrung damit verbinden.
Zeigen Sie Ihrem Kind, wie es aus Titel -und Rückseite und erstem Eindruck beim Durchblättern Informationen zum Buch findet und sprechen Sie mit ihm darüber, was es infolgedessen von dem Buch erwartet. So lernt es, Entscheidungskriterien anzulegen und bewusst zu wählen.
Dabei sollte auch bedacht werden, ob es ein Vorlesebuch oder ein Buch zum Selberlesen sein soll.
Nutzen Sie auch die Erfahrung von Mitarbeitern in Buchhandlungen und Büchereien. Sie geben Leseempfehlungen je nach Interesse und Lesefähigkeit Ihres Kindes.
Die Verlage bieten ebenfalls Hilfen durch Kennzeichnung ihrer Bücher in besondere Lesestufen:
- Erstleser
- Kinder mit etwas Leseerfahrung
- geübte, ausdauernde Leser
In Buchhandlungen erhalten Sie auch Leseempfehlungen der Verlage und der Arbeitsgemeinschaft der Jugendbuchverlage.
Auch wir haben Erfahrungen mit vielen Kinderbüchern gesammelt und eine Liste mit Buchempfehlungen für Bilderbücher, Bücher für Einsteiger und Fortgeschrittene für Sie zusammen gestellt. Viel Spaß beim "Blättern".